Diakonie in Suderburg und Umgebung

Das Leiden ist vom Lieben
Auf Erden nicht zu trennen,
Willst du das Lieben üben,
Lernst du das Leiden kennen.
Willst du das Leiden meiden,
So wird die Lieb vergehen,
Das Lieben und das Leiden
Muss hier zusammenstehen.

Es ist das Opferleben
Der Liebe wahres Wesen.
Wer sich nicht selbst will geben,
Wird nie den andern lösen.
Die Liebe fühlt die Schmerzen,
Sieht sie den andern leiden,
Sie kann aus ihrem Herzen
Des Nächsten Not nicht scheiden.

Die Liebe muss beim Wandern
Die Last der Brüder tragen,
Sie duldet für den Andern,
Lässt sich für andre schlagen.
Sie sieht mit tiefen Qualen
Rings um sich das Verderben.
Sie stirbt zu vielen Malen,
Sieht sie die andern sterben.

Nach Samariter Weise
Beugt sie sich tief hernieder,
Und findet auf der Reise
Des Herrn verlor’ne Brüder.
Sie trägt mit Liebesarmen
Sie in des Heilands Hürde,
Und legt in sein Erbarmen
Die schmerzhafte Bürde.

Mag auch das arme Leben
An fremdem Weh verbluten,
Ertrinkende zu heben,
Selbst sinken in den Fluten, —-
Was tut’s? Wenn nur die Liebe
Bis in den Tod kann lieben!
Wenn man dem heil’gen Triebe
Nur immer treu geblieben!

Dann werden grosse Fluten
Doch nimmer löschen können
Die heissen Flammengluten,
Die in der Seele brennen,
Die sich am Opferherde
Von Golgatha entzünden,
Und diese arme Erde
Mit Gottes Herz verbinden.

Darum lieber solche Schmerzen
Als alles Glück der Erden,
Und lieber Weh im Herzen
Als lieb- und leidlos werden.
Einst wird die Stunde kommen,
Da trennt sich Lieb vom Leide
Und, alles Weh entnommen,
Liebt sie in ew’ger Freude.

Das Gedicht stammt von Eva von Tiele-Winckler, einer Diakonisse und eine der ersten Frauen in einer Führungsposition bei der Diakonie.

Jesus zu kennen und Jesus zu haben,
dies ist das herrlichste Los in der Welt.
Suche des Erdballs vortrefflichste Gaben,
finde, was Augen und Ohren gefällt -
dennoch kann eins nur die Seele dir laben:
Jesus zu kennen und Jesus zu haben.

Suchest du Weisheit? In Ihm ist sie reichlich,
wie sie kein andrer dir jemals gewährt.
Er, der beim Vater ist, gibt unvergleichlich,
was dich erleuchtet, beseelt und verklärt.
Eins ist die Krone der glänzendsten Gaben:
Jesus zu wissen und Jesus zu haben.

Suchst du Gerechtigkeit? - Sieh den Gerechten,
der für Verlorne den Zornkelch genoss!
Schau, wie die Dornen das Haupt Ihm umflechten
und wie sein heiliges Blut Er vergoss!
Hier ist Gerechtigkeit, das kann dich laben:
Jesus zu glauben und Jesus zu haben.

Willst du Erlösung? - O schaue den Retter,
der in dem Sieg hat verschlungen den Tod!
Er nur, die Sonne, verdränget das Wetter,
hebt dich empor aus Verderben und Not.
Lass es ins Herz zur Erlösung dir graben:
Jesus zu halten und Jesus zu haben!

Jesus, Du Sohn des lebendigen Gottes,
Du bist die Gabe, die ewiglich bleibt!
Was ist das Zischen des irdischen Spottes,
wenn Deine Hand mich ins Lebensbuch schreibt?
Drum gib mir eins nur, die Gabe der Gaben:
Dich zu umfassen und Dich nur zu haben.

Albert Knapp (1798-1864 - deutscher Pfarrer, Dichter und Begründer des ersten Tierschutzvereins in Deutschland)
Mehr Gedichte von Albert Knapp findet ihr z.B. hier.