Diakonie in Suderburg und Umgebung

Was kann unsere Gemeinde für Flüchtlinge tun?


In vielen unserer Gemeinden gibt es mittlerweile Unterkünfte, Wohnheime, in manchen auch Erstaufnahmelager, in denen Menschen untergebracht sind (…), die ihre Heimat, ihre gewohnte Umgebung, Sippe und Familie verloren haben, um ihr bisschen Leben, ihre
körperliche und seelische Unversehrtheit zu retten oder zu bewahren. In den Unterkünften treffen sie wiederum auf Menschen, die ihnen ganz fremd sind - vom Aussehen, der Sprache, der Religion, von Sitten und Gebräuchen her. Die Betroffenen stehen also nicht nur den Menschen des Aufnahmelandes fremd gegenüber, von dem sie ja nicht oder kaum wissen, wie lange es Aufnahme gewähren wird. Die meisten ihrer Mitbewohner sind ihnen genauso fremd. All' das und die ungeklärte Situation machen Angst. Menschen gehen mit ihrer Angst unterschiedlich um: manche depressiv, manche aggressiv gegen sich oder andere. In jedem Fall brauchen sie Menschen, die um ihre Situation wissen und sich in sie einzufühlen versuchen.

Es gibt viele Möglichkeiten für diejenigen, die das Dasein von Flüchtlingen in ihrer näheren oder weiteren Nähe als Bewährungsprobe oder Herausforderung auffassen, von der man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Besuchen, einladen, begleiten, feiern - alles, was uns dazu bringt, den Menschen selbst persönlich zu begegnen wird helfen, Ängste abzubauen auf beiden Seiten! Wenn die Sprache am Anfang ein Hindernis scheint: Unsere Gesichter, unser Anklopfen und Kommen sind zunächst Zeichen genug und auch „mit Händen und Füßen" kann man sich gegenseitig verständigen. Manchmal gilt's dann Notwendiges zu tun und zu erfahren. Das wird von Flüchtling zu Flüchtling, von Familie zu Familie verschieden sein.

Aber zu leiden haben alle an: Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften und eingeschränkter Bewegungsfreiheit in den Aufenthaltsbereichen; wer neu ankommt, der muss z.B. in den Erstaufnahmeeinrichtungen quasi rund um die Uhr „greifbar' sein. Schon ein versäumter Termin bei den Behörden kann zur Katastrophe, sprich zur Ausweisung führen; Abhängigkeit von Sozialhilfe (künftig fast nur als Sachleistungen!) bei gleich-zeitiger Untätigkeit, trotz (theoretischer) Arbeitserlaubnis; zermürbendes, oft über Jahre sich hinziehendes Warten auf die endgültige Entscheidung über den Asylantrag.

Was brauchen solche Menschen? Jedenfalls mehr als das Recht auf Asyl. Sie brauchen Bekannte, Freunde, die mitgehen, mittragen, mitweinen. Sie brauchen Begegnungsmöglichkeiten in Gemeindehäusern z.B., wo sie einander, aber auch ihre deutschen Nachbarn besser kennen lernen können. Zeiten und Räume, in denen man miteinander reden kann, sich austauschen, Fragen stellen, Probleme bedenken, Lösungen gemeinsam vorbereiten kann. Und sie brauchen sicher auch den Besuch bei sich „zu Hause"! Im Folgenden werden eine Reihe von praktischen Möglichkeiten aufgezeigt.

Auf eine wichtige sei hier besonders hingewiesen. Es ist gut, wo es irgend möglich ist, miteinander, wo nicht füreinander Gottesdienst zu feiern. Die Bibel ist voller Texte, die Wander-, Flucht- und Asylgeschichten erzählen. Es gibt dort auch Danklieder von gelungener Flucht und erhaltenem Asyl. Wer Wanderung, Flucht, Asyl im Horizont des Gottes bedenkt, der sich auf den Weg zu den Menschen gemacht hat und menschlich geworden ist, der wird vielleicht nicht mehr so leicht resignieren, wird erfahren, dass er Bundesgenossen hat und so frei werden das zu tun, was das Bibelwort meint, wenn es sagt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apostelg. 5,29). Und wenn „Christus unser Friede" ist (Eph. 2,14/), dann sind wir frei, füreinander (und miteinander) zu beten und zu arbeiten.

Konkrete Begegnungsmöglichkeiten und Inhalte der Arbeit

Was hier an Anregungen zusammengetragen wurde, hat Beispielcharakter. Es wurden die Anregungen gesammelt bei Gesprächen mit Asylkreisen in Gemeinden

Allgemeine Kontakte:

− Kontakt mit den Flüchtlingen in ihren Unterkünften aufnehmen, sie begrüßen und uns vorstellen Kontakt zu dem Betreiber des Hauses und der zuständigen Stelle der Sozialverwaltung aufnehmen

− Achtung auf Mängel im Haus (z. B. Telefon, Einbruchssicherung, sanitäre Anlagen, Kücheneinrichtung etc.) und ggf. das Sozialamt und den Betreiber notfalls wiederholt darauf ansprechen.

Gemeinsames Feiern:

Besonderes Begegnungsfest, Treffen von Einheimischen und ausländischen Mitbürgern, Geburtstagsfeiern, kirchliche Feste etc.

Gemeinsame Aktivitäten:

Ausflüge, Wanderungen, Einbeziehung in die Vorbereitung von Festen, Vereinstätigkeit, Sport, Renovierung des Wohnraums etc.

Vermittlung von Grundkenntnissen in der deutschen Sprache:

Konversationsangebote, ehrenamtlicher Sprachunterricht, Bereitstellung von finanziellen Mitteln zum Sprachunterricht, Beschaffung von geeignetem Lehrmaterial, auch Beschaffung von Kinderbüchern etc.

Kennenlernen des Bezugsfeldes:

Dorf, Stadt, Kreis, Sehenswürdigkeiten, Freizeitangebote, Einkaufshilfen, Begleitung zu Ärzten etc.

Beratung und Vermittlung von Hilfen bei Asylrechtsfragen:

Vermittlung von Verfahrensberatung, Einzelfallbegleitung, Vermittlung bei Familienzusammenführung, Weiterwanderung oder Rückkehr, Vermittlung eines Anwalts etc.

Hilfe bei Schulausbildung von Kindern:

Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe und Vertiefung, Beschaffung von Lehrmitteln, Organisation und Finanzierung von Transportmitteln zur Schule, Kontakt zur Schule etc.

Vermittlung von Hilfen:

Kleidung, Haushaltsgeräte, Möbel, Fahrräder (Fahrradwerkstatt!), Literatur, Zeitungen in der Heimatsprache etc.

Vermittlung unseres Verwaltungs- und Rechtssystems:

Behörden, Staatsform, Rechtssystem, Vereine, Verbände, Versicherungssystem, Bildungswesen, Arbeitserlaubniswesen, Schulsystem, Sozialwesen, Gewerkschaften etc.

Vermittlung und Verständnis wecken für die Situation der Einheimischen und der Flüchtlinge:

Gesprächsarbeit, Informationsveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit etc., Projekte in der Schule

Kontakte zu Kirchengemeinden:

Begegnung mit Gemeindegliedern, Gottesdienste, Einladung in Pfarrgemeinderatssitzungen und Beratung der Hilfsmöglichkeiten etc.

Vermittlung von Kontakten zu Vereinen:

Sport, Kultur, Exilvereine, Flüchtlingsräte etc.

Beratung in allen Lebenssituationen:

Gesundheitsfragen, persönliche Probleme, Konfliktsituationen, Suchtprobleme, Schwangerschaft etc. Besondere Aufmerksamkeit für Frauen und Kinder/ Jugendliche.

zusammengestellt von Martin Tuttas

Seit Erscheinen des letzten Gemeindebriefes hat sich eine Arbeitsgruppe- Arbeitstitel „Willkommen-Gruppe“- gebildet, die konkrete Begegnungsmöglichkeiten und Inhalte der Arbeit mit und für Flüchtlinge in unserer Gemeinde vorbereiten und koordinieren möchte.

Alle, die bereit sind, Ideen, Zeit und Energie für z. B. diese Aufgaben einzubringen:

  • Vermittlung von Grundkenntnissen in der deutschen Sprache
  • Kennenlernen  und Bekanntmachen mit dem Ort Suderburg, seiner   Umgebung und Infrastruktur  wie Einkaufsmöglichkeiten, Vereine, medizinische Versorgung u.v.m.
  • Aufbau eines Netzes von sich „kümmernden Bezugspersonen“

sind eingeladen zu einem ersten Gesprächsabend am

                      Mittwoch, d. 5. August 2015 um 19.00 Uhr

Weitere Treffen sind für mittwochs nach Absprache geplant.

Infos bei:

    Martin Tuttas:    05826/9509494

    Rele Vogt-Sest: 05826/7518

Hilfreich sind auch die Infos der Diakonie: https://diakonieinsuderburg.wir-e.de/Brauchbares